Die Widerstandsfähigkeit der Energieinfrastruktur sichern
Anlässlich seines 45-jährigen Jubiläums blickt ROSEN ebenso sehr in die Zukunft wie in die Vergangenheit. In diesem Interview sprechen CEO Andreas Opfermann und Daniela Schomaker, Head of Corporate Health, Safety, Sustainability and Quality, darüber, was derzeit am wichtigsten ist: sicherer Betrieb, praxisorientierte Nachhaltigkeit und der intelligente Einsatz von Technologie zur Unterstützung kritischer Energieinfrastruktur weltweit.
Andreas, du leitest die ROSEN-Gruppe seit Juli 2025. Wie hast du den Einstieg in diese Position erlebt?
Andreas Opfermann: ROSEN basiert auf drei Grundwerten: Innovation, Verantwortung und gemeinsamer Erfolg. Das habe ich vom ersten Tag an gespürt. Hier herrscht eine starke Kultur des Vertrauens, der Offenheit und der Zusammenarbeit, und das hat meinen Einstieg sowohl reibungslos als auch motivierend gestaltet.
Was war dein operativer Schwerpunkt, seit du diese Position übernommen haben?
Andreas Opfermann: Meine oberste Priorität war es, zuzuhören und zu lernen. In einer sicherheitskritischen Branche steht die Sicherheit immer an erster Stelle, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zu „Zero Incidents“. Gleichzeitig befindet sich ROSEN als Technologie- und Marktführer in einer starken Position. Unser anhaltender Erfolg hängt von Innovation und unseren Mitarbeitern ab, und beides spielt weiterhin eine zentrale Rolle, wenn wir unseren Kunden dabei helfen, kritische Infrastruktur sicher und zuverlässig zu halten.
Die kritische Energieinfrastruktur steht unter größerem Druck als je zuvor. Welche Rolle spielt ROSEN in diesem Umfeld?
Andreas Opfermann: Die Energieinfrastruktur steht aus vielen Richtungen unter Druck: geopolitische Unsicherheiten, alternde Anlagen und steigende regulatorische Anforderungen. In diesem Umfeld benötigen Betreiber einen klaren Überblick über den Zustand ihrer Anlagen. Hier kommt ROSEN ins Spiel. Wir kombinieren Technologie, Daten und jahrzehntelange Erfahrung, um Kunden dabei zu helfen, den Zustand ihrer Anlagen zu bewerten, Risiken zu reduzieren
und die Lebensdauer zu verlängern. Konkret bedeutet dies sicherere Betriebsabläufe, eine zuverlässigere Versorgung und bessere Entscheidungen über den gesamten Lebenszyklus kritischer Infrastrukturen hinweg. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Kunden dabei, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen – sei es durch die Vorbereitung von Anlagen auf Wasserstoff und andere neue Brennstoffe oder durch die Unterstützung beim Übergang zu sichereren, emissionsärmeren Energiesystemen.
ESG gewinnt sowohl für die Kunden als auch für ROSEN zunehmend an Bedeutung. Welche Maßnahmen hat ROSEN im Jahr 2025 ergriffen, um die Transparenz zu verbessern?
Daniela Schomaker: Im Jahr 2025 unternahm ROSEN einen wichtigen Schritt, indem das Unternehmen seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichte, der freiwillig an die Europäischen Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) angepasst wurde und damit einen klareren Einblick in seine Unternehmensführung, seine soziale Verantwortung und seine Umweltpraktiken bietet. Zudem haben wir unsere Teilnahme an unabhängigen ESG-Bewertungen ausgeweitet, EcoVadis-Bewertungen in mehreren Unternehmenseinheiten wiederholt, die CyberVadis-Zertifizierung erhalten und EcoVadis IQ Plus weiter eingeführt, um das Nachhaltigkeitsmanagement bei unseren Lieferanten zu stärken. Zusammen tragen diese Schritte zu mehr Transparenz bei und helfen uns, ESG in konkrete Maßnahmen und nachhaltige Geschäftspraktiken umzusetzen.
Was bedeutet die Veröffentlichung des ersten gruppenweiten ROSEN-ESG-Berichts für das Unternehmen?
Daniela Schomaker: Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zur ESG-Ausrichtung. Frühere Berichte bezogen sich auf zwei Tochtergesellschaften, doch ein konzernweiter Bericht sorgt für Transparenz in der gesamten Organisation. Er stärkt die interne Rechenschaftspflicht und zeigt Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden, dass ESG-Kriterien bei ROSEN fest verankert sind und den sich weiterentwickelnden Anforderungen entsprechen.
Wie beeinflusst Nachhaltigkeit die täglichen Entscheidungen bei ROSEN?
Daniela Schomaker: Nachhaltigkeit prägt unsere täglichen Entscheidungen auf ganz praktische Weise. Wenn wir Betreibern dabei helfen, ihre Anlagen sicherer zu betreiben, tragen wir gleichzeitig dazu bei, unnötige Emissionen oder Leckagen zu vermeiden. So schützen wir Menschen und Umwelt und unterstützen gleichzeitig die zuverlässige Energieversorgung, die die Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand bildet. Nachhaltigkeit ist daher kein von unserer Arbeit getrennter Bereich, sondern ein natürliches Ergebnis unseres Handelns. In unserem täglichen Betrieb wägen wir bewusst Möglichkeiten ab, um Treibhausgasemissionen dort zu begrenzen, wo dies sinnvoll ist, beziehen unsere vielfältige Belegschaft ein und bemühen uns, unsere Ziele mit den Gemeinden in Einklang zu bringen, in denen wir tätig sind. Letztendlich bestimmt Nachhaltigkeit sowohl unsere technischen als auch unsere strategischen Entscheidungen.
Letztendlich bestimmt Nachhaltigkeit sowohl unsere technischen als auch unsere strategischen Entscheidungen.
Wenn man auf das vergangene Jahr zurückblickt: Was waren die wichtigsten ESG-Höhepunkte?
Daniela Schomaker: Im vergangenen Jahr haben wir in mehreren Bereichen, die sich auf unseren CO2-Fußabdruck auswirken, Fortschritte erzielt, darunter eine effizientere Logistik, Verbesserungen bei unseren Inline-Prüfverfahren und die fortgesetzte Umstellung unserer Standorte auf erneuerbare Energien. So haben wir beispielsweise an unserem Produktionsstandort in Lingen, Deutschland, unsere bislang größte Investition in die Solarstromerzeugung getätigt.
Andreas Opfermann: Für mich gehen unsere Werte „Gemeinsam gewinnen“ und „Verantwortungsbewusst handeln“ Hand in Hand. Sie bedeuten, starke Leistung und Ehrgeiz mit Verantwortung und langfristigem Denken zu verbinden. Deshalb haben wir unsere ESG-Bemühungen fest in unserem Verbesserungsprogramm verankert. Diese Bemühungen basieren auf unserem Engagement für Sicherheit, die Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie auf den Compliance- und regulatorischen Rahmenbedingungen, die unser Handeln in allen ROSEN-Unternehmen weltweit leiten.
Wie wirkt sich das auf die Beziehung zu den Kunden aus?
Andreas Opfermann: Unsere Kunden stehen stets im Mittelpunkt unseres Handelns. Seit 45 Jahren wachsen wir gemeinsam mit ihnen, indem wir langfristige Beziehungen aufbauen und einen Mehrwert bieten, der weit über einzelne Rohrleitungsbegutachtungen hinausgeht. Im Kern ist ROSEN ein Dienstleistungsunternehmen. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Anlagen hinweg mit Fachkompetenz, Transparenz und Zuverlässigkeit zu unterstützen.
Unsere Kunden agieren heute in einem komplexeren Umfeld, das von geopolitischen Faktoren, regulatorischen Vorgaben und Kostendruck geprägt ist. Daher ist es wichtiger denn je, nah am Kunden zu sein. Aus diesem Grund stärken wir unsere Key-Account-Strukturen und bauen die Kundennähe weiter aus.
Im Zusammenhang mit ROSEN wird oft von KI gesprochen. Wie wird sie heute bereits eingesetzt?
Andreas Opfermann: Digitalisierung und Automatisierung sind schon seit Langem Teil unserer Entwicklung bei ROSEN, insbesondere in den Bereichen Datenauswertung und Mustererkennung. Die aus dieser Arbeit resultierenden Berichte zur Pipeline-Integrität bilden den Kern unserer Leistungen für unsere Kunden. Da das Volumen der Inspektionsdaten stetig wächst, benötigen Kunden zuverlässige, qualitativ hochwertige und schnelle Auswertungen. Künstliche Intelligenz ist der nächste Schritt, der unseren globalen Data-Science-Teams dabei hilft, Muster und Merkmale auf konsistente und robuste Weise zu erkennen, zu charakterisieren und zu interpretieren.
Wie wird KI die Zukunft des Integritätsmanagements prägen?
Andreas Opfermann: Daten bilden die Grundlage des Integritätsmanagements; KI wird uns dabei helfen, aus den ständig wachsenden Datensätzen noch bessere Erkenntnisse zu gewinnen. Sie wird die Geschwindigkeit und Qualität unserer Datenauswertung verbessern, eine fortschrittlichere Datenfusion und -visualisierung ermöglichen und neue Wege für die virtuelle Beurteilung von Anlagen eröffnen, deren Inspektion derzeit schwierig oder unmöglich ist. Dank wachsender Investitionen in KI und einer der weltweit größten Datenbanken zur Pipeline-Integrität ist ROSEN bestens aufgestellt, um diese Lösungen gemeinsam mit unseren Kunden zu entwickeln.
Daten bilden die Grundlage des Integritätsmanagements; KI wird uns dabei helfen, aus den ständig wachsenden Datensätzen noch bessere Erkenntnisse zu gewinnen.
ROSEN feiert in diesem Jahr sein 45-jähriges Jubiläum. Vom Ein-Mann-Betrieb zu mehr als 4.000 Mitarbeitern – wie siehst du die nächste Wachstumsphase?
Andreas Opfermann: Wir werden weiterhin auf dem aufbauen, was ROSEN seit 45
Jahren erfolgreich macht: engagierte Mitarbeiter, führende Technologie und ein starkes Bekenntnis zur Qualität. Gleichzeitig stärken wir unsere Prozessexzellenz, unsere Kundenorientierung und unsere Kultur der Bescheidenheit, Agilität und Ambition. Das gibt mir die Zuversicht, dass wir gemeinsam mit unseren Kunden weiter wachsen und unsere Position auf dem Markt weiter ausbauen werden.